Pflegealltag - Die Last der Vorschriften

Welche Vorschriften sind nötig? Wie viel Dokumentation ist sinnvoll? Was bedeutet eigentlich „gute Pflege"? Über diese Fragen wurde bei der Veranstaltung der FDP-Fraktion „Pflegealltag - Die Last der Vorschriften" diskutiert. Mit dabei: 50 Gäste von Verbänden und Krankenkassen - außerdem Pflegepersonal und Pflege- Berufsfachschüler.

Matthias Ernst, Leiter des Qualitätsmanagements im Bereich Pflege beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen Niedersachsen, bewertete die Pflegequalität bei uns im Land als sehr gut. Es gebe aber zu wenig ausgebildetes Personal, um die Qualität der Pflege längerfristig sicher zu stellen. Die Hälfte des Pflegepersonals sei keine gelernte Fachkraft.
Kontrovers diskutiert wurde die Frage der Dokumentation. Für Ernst ist sie ein wichtiger Bestandteil einer guten Pflege. Durch eine gute Dokumentation, in der die Art der Pflege dargestellt werde, ließen sich Qualitätsdefizite in einigen Einrichtungen herausfiltern. Damit werde sichergestellt, dass der Patient eine gute individuelle Pflege bekommt.

Die stellvertretende Vorsitzende des VDAB, Petra Schülke, sah in der gegenwärtigen Praxis der Qualitätsprüfungen jedoch Anzeichen des Misstrauens gegenüber dem
Pflegepersonal. Die Dokumentation dürfe nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen, damit am Ende nicht der Patienten darunter leiden müsse. Schülke appellierte an die Politik, die Bürokratie in der Pflege weiter zu reduzieren. „Die Vorschriften brauchen einen Realitätscheck", so die VDAB-Vizechefin. Es gehe darum, nicht Prozessabläufe der Pflege zu dokumentieren, sondern vielmehr die Ergebnisqualität. Damit ließen sich überdies erhebliche Kosten einsparen und die Motivation der Pflegekräfte werde gestärkt.

Roland Riese, sozialpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, wie darauf hin, daß das Pflege-Neuausrichtungsgesetz des Bundes erhebliche Beiträge zum Bürokratieabbau enthalte. Niedersachsen habe in den vergangenen Jahren konsequent daran gearbeitet, die Berufswahl von Pflegeberufen attraktiv zu gestalten. Unter anderem sei mittlerweile die Ausbildung weitgehend schulgeldfrei. „Im Mittelpunkt steht immer noch der Patient und das Ziel, ihm eine individuelle Pflege zu geben", fasste Riese die Veranstaltung zusammen.



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