DaSein - Ein neuer Blick auf die Pflege

Fotoausstellung zum Pflegealltag in den Räumen der FDP-Fraktion eröffnet

Die FDP-Fraktion im Niedersächsischen Landtag hat am 01. November 2011 eine Fotoausstellung des Bundesministeriums für Gesundheit zur Pflege eröffnet. Die Ausstellung „DaSein - Ein neuer Blick auf die Pflege" mit Bildern der Fotografin Julia Beyer zeigt ungewöhnliche Ausschnitte aus dem Alltag von Pflegebedürftigen und Pflegenden. Die Ausstellungseröffnung, an der rund 80 Interessierte teilnahmen, wurde vom Vorsitzenden der FDP-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, Christian Dürr, sowie dem Staatssekretär des Bundesministeriums für Gesundheit Thomas Ilka, eröffnet.


    


In seiner Eröffnungsrede verwies Christian Dürr unter anderem auf die pflegenden Angehörigen - oft auch Nachbarn, Freunde oder Bekannte, die höchsten Respekt und Anerkennung verdienten, da sie sich selbstlos für die zu Pflegenden einsetzten. Für viele Menschen, die Pflegeverantwortung übernähmen, stelle sich die organisatorisch und materiell bedeutsame Frage, wie sie Berufstätigkeit mit der Pflegeverantwortung verbinden und dabei noch Freiräume für gesellschaftliches und privates Leben haben könnten. Ebenso wichtig sei ein ausreichendes Angebot an Pflegekräften in Gegenwart und Zukunft. Dazu müsse ein unbürokratischer und flexibler Zugang ausländischer Arbeitskräfte zum deutschen Arbeitsmarkt beitragen. In keinem Sektor fehlten derzeit in Deutschland so viele Fachkräfte wie im Gesundheitsbereich und insbesondere in der Pflege. Niedersachsen habe mit der Entlastung der Pflegeschüler vom Schulgeld in den vergangenen Jahren die Zahl der Auszubildenden erheblich steigern können.

Staatssekretär Ilka kündigte in seiner Eröffnungsrede an, dass sich die Koalition in Berlin am darauffolgenden Sonntag über Details der geplanten Pflegereform einigen und damit einen wichtigen Baustein der Koalitionsvereinbarung umsetzen würde.

Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung fand eine Podiumsdiskussion mit vier Experten statt, die vom sozialpolitischen Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Roland Riese, geleitet wurde. Dem Podium gehörten Staatssekretär Thomas Ilka, Marie-Luise Müller (Ehrenpräsidentin des Deutschen Pflegerates) und Eberhard Namslau an. Namslau vertritt den Verein „wir pflegen" als Sprecher in Niedersachsen. Der Verein ist eine Interessenvertretung begleitender Angehöriger und Freunde in Deutschland.

Roland Riese machte in der Podiumsdiskussion deutlich, dass die Würde der Pflegebedürftigen im Mittelpunkt stehen müsse, verwies aber auch darauf, dass es gute Pflege nicht zum Nulltarif geben könne. Von großer Bedeutung sei weiterhin vor allem der erweiterte Pflegebegriff sowie die Berücksichtigung von Demenzerkrankungen. Riese plädierte in der Diskussion auch für gesetzliche Regelungen, die Flexibilität der Organisations- und Betreuungsformen mit hohen Qualitätsstandards verbinden.

Staatssekretär Thomas Ilka machte deutlich, dass auch im Bereich der Pflege zunächst die private Verantwortung im Vordergrund stehe und verwies unter Bezugnahme auf die Finanzierung auf den Koalitionsvertrag, wonach eine Ergänzung durch Kapitaldeckung unumgänglich ist. Marie-Luise Müller verwies unter Bezugnahme auf den Fachkräftemangel in der Pflegebranche auf die unumgängliche Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, die Schulgeldfreiheit sowie das kostenfreie dritte Ausbildungsjahr im Rahmen der Umschulung. Sie sprach sich für eine „Verkammerung der Pflegeberufe" aus - diese bezeichnete sie als aus ihrer Sicht unumgänglich. Denn nur so könne sichergestellt werden, dass Detailregelungen des Pflegealltags unter Beteiligung von Fachleuten erarbeitet würden. Eberhard Namslau wies auf die Differenz zwischen den Sach- und Geldleistungen aus der Pflegeversicherung hin und plädierte für ein Grundeinkommen für die Pflegenden. In der anschließenden Diskussion machten Zuschauer deutlich, dass ihrer Meinung nach eine Neuregelung der beruflichen Ausbildung unumgänglich sei und die Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals verbessert werden müssten.

Die Wanderausstellung des Bundesministeriums für Gesundheit war bereits in über 200 Institutionen zu sehen. In den Räumen der FDP-Fraktion gibt es die Ausstellung noch bis Ende Februar 2012. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Nadine Passenheim



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