Björn Försterling: Strategie gegen die 2. Infektionswelle

Mit dem Ende der Sommerferien rückt auch die Frage näher: Wie geht es in den Schulen und Kitas eigentlich weiter? Das Kultusministerium erklärt, es strebe den Regelbetrieb in Schulen und in Kitas an. Björn Försterling, Vize-Vorsitzender und bildungspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion findet: Gute Vorsätze reichen nicht aus. Niedersachsen soll gut auf eine mögliche zweite Infektionswelle vorbereitet sein. Wenn es nach Försterling geht, greift dabei ein Vierklang aus Testen, Eingrenzen, Vorbereiten und Forschen.

Testen

“Wenn wir die Infektionslage erfolgreich eindämmen wollen, müssen wir sie erst einmal kennen”, sagt Försterling. Deshalb fordert er eine umfangreiche Teststrategie: Urlauber müssen bei ihrer Rückkehr getestet werden – egal woher sie kommen. “Angesichts der Enge und der teilweise zu beobachtenden Sorglosigkeit auf den Partymeilen Mallorcas oder in einigen deutschen Touristikorten ist es unerheblich, ob die Urlaubsregionen als Risikogebiete ausgewiesen sind oder nicht”, erklärt Försterling. Auch das Personal in Pflegeheimen und Krankenhäusern sowie in Kitas und Schulen soll getestet werden: regelmäßig und kostenlos. Försterling: “Die Mitarbeiter haben viel Kontakt mit verschiedenen Menschen und sind insgesamt einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt und müssen deshalb auch besonders geschützt werden.”

Eingrenzen

Auf erkannte Risiken und Neuinfektionen muss reagiert werden. Um das Risiko einer Infektion zu minimieren, bleibt weiterhin der Mund-Nase-Schutz wichtig. Bei steigenden Infektionszahlen kann sich Försterling sogar eine Ausweitung vorstellen: Schüler ab der 5. Klasse könnten auch im Unterricht eine Maske tragen. Försterling: “Das sollte die Ultima Ratio bleiben, aber es ist besser als wegen flächendeckender Schulschließungen gar keinen Unterricht zu haben”, sagt Försterling. Um keine unerkannten Infektionen in die Schulen zu tragen, will Försterling, dass Schüler und Lehrer erst 14 Tage nach ihrer Reiserückkehr in die Schule zurückkehren. “Einige Schüler und Lehrer starten dann zwar verspätet ins Schuljahr. Das ist aber immer noch besser, als am Ende eine ganze Schule schließen zu müssen”, so Försterling. Für die Betreuung von Schülern sollten Betreuungsangebote aus den Sommerferien verlängert werden.

 


“Die Maske im Untericht sollte die Ultima Ratio bleiben, aber sie ist besser als wegen flächendeckender Schulschließungen gar keinen Unterricht zu haben”
(Björn Försterling, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag Niedersachsen)


 

Vorbereiten

“Wie auch immer der Bildungsminister seinen Sommer verbracht hat, für vernünftige Homeschooling-Konzepte oder digitale Unterrichtsmaterialien hat das Kultusministerium die Zeit nicht aufgewendet. Unterricht mit Maske und ein flexibler Start des Schuljahres sind nötig, weil noch immer kein guter Unterricht zu Hause möglich ist”, so Försterling. Damit nicht jede Lehrkraft ihre eigenen Lösungen bastelt, müssten die Bildungsplattformen des Landes aber jetzt mit geeigneten Inhalten gefüllt werden. “Wir brauchen insgesamt stärkere Vorbereitungen auf einen eingeschränkten Kita- und Schulbetrieb, damit wir komplette Schließungen verhindern”, sagt Försterling. Neben Notbetreuungskonzepten bedeute das vor allem, digitalen Unterricht für alle zugänglich zu machen: “Kinder aus einkommensschwachen Haushalten brauchen digitale Endgeräte. Das Geld aus dem Digitalpakt ist da, es kam nur bislang nicht bei denen an, die es brauchen”, so Försterling.

Forschen

Das Wissen über das Virus ist noch immer gering. Um eine weitere Verbreitung einzugrenzen, brauchen wir mehr Forschung. Niedersachsen solle seine hervorragenden Forschungseinrichtungen und Wissenschaftler stärker koordinieren und fördern, damit bessere, schnellere und weniger unangenehme Tests entwickelt werden könnten. Auch die Forschung an Aerosolen – kleinsten Schwebeteilchen in der Luft, die maßgeblich bei der Verbreitung des Virus in Innenräumen sind – muss vorangetrieben werden. Denn wenn der Herbst kommt, wird in Unternehmen, Schulen, Kitas und öffentlichen Einrichtungen weniger gelüftet. Einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen bekämpfen wir dann nicht mehr mit Abstand und Maske an Stränden und auf Partymeilen, sondern mit Hygieneplänen und Lüftungsanlagen in Büros und Klassenzimmern.

 

Forderungspapier “Testen, Eingrenzen, Vorbereiten, Forschen”