Keinen Patienten zurücklassen – medizinische Versorgung jederzeit sicherstellen

Es ist eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die in den vergangenen Tagen für reichlich Zündstoff und Diskussionen sorgte. Die Studie zeigt Pläne auf, die medizinische Versorgung bis 2030 zu verbessern. Kleinere Krankenhäuser, die zum einen nicht über genügend finanzielle Mittel verfügen, notwendige medizinische Ausrüstung bereitzustellen und zum anderen auch nicht über ausreichend Routine um die Patientensicherheit sicherstellen zu können, könnten geschlossen werden. Zentrale Großkliniken sollen die medizinische Versorgung sicherstellen.

Durch Schließungen aber auch durch Spezialisierungen kleiner Kliniken ließe sich bis 2030 die Anzahl der Krankenhäuser um mehr als 50 Prozent reduzieren. Dies führe zu einer höheren Qualifikation von Ärzten und Pflegern, aber auch zu einer besseren medizinischen Versorgung der Patienten. Die Studie rät auch zu einer deutlichen Reduzierung der Liegezeiten in den Krankenhäusern.

Für die gesundheitspolitische Sprecherin der Freien Demokraten im Landtag Niedersachen, Sylvia Bruns, gilt es, bei allen Überlegungen zu einem Strukturwandel im Krankenhauswesen, die Patienten im Blick zu behalten. „Die Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt auf, welche Probleme es in der medizinischen Versorgung gibt“, so Bruns. Eine Spezialisierung, gerade von kleinen Kliniken, könnte aber ein durchaus gangbarer Weg sein. „Im Fall der Fälle suchen sich die Patienten die Klinik aus, in der sie am besten von Spezialisten behandelt werden.“ Die Studie gebe hier Denkanstöße, wie sich Kliniken zukünftig aufstellen könnten, beispielsweise durch die Spezialisierung auf Kardiologie oder Venenchirurgie, wie das bereits einige wenige Krankenhäuser beispielsweise in der Region Hannover getan haben.


„Die bestmögliche Versorgung der Menschen muss im Mittelpunkt stehen“
(Sylvia Bruns, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion)


Positiv nimmt die Gesundheitspolitikerin auch die Idee ambulanter Versorgungszentren auf, die in Kreisen mit abnehmender Bevölkerung die medizinische Versorgung sicherstellen könnten. Dies sei eine Möglichkeit, den Menschen die Angst zu nehmen, im Krankheitsfall bis in die nächste Großstadt fahren zu müssen, um ärztlich versorgt zu werden. Auch über den Ausbau von Telemedizin-Angeboten müsste weitergesprochen werden. „Als Ergänzung für Fälle, die kein akutes Krankheitsbild haben, ist die Rücksprache mit einem Arzt über digitale Anwendungen eine gute Sache“, so Bruns. Hier sei es aber unabdingbar, die dringend notwendige Infrastruktur bereitzustellen und für ein flächendeckendes 4G-Mobilfunknetz zur Datenübertragung zu sorgen.

Bruns denkt auch über ambulante Notfallzentren, die an die Notaufnahmen von Krankenhäusern angedockt werden, nach. So sei es möglich, bereits bei der Aufnahme der Patienten die Art der Behandlung besser steuern zu können, um so die Notfallaufnahmen zu entlasten. Wichtig ist aber vor allem eins: „Die Menschen müssen sicher sein, dass sie jederzeit auf die bestmögliche ärztliche Versorgung zurückgreifen können. Wenn der Weg zu einem Krankenhaus künftig 25 statt 20 Minuten dauert, ich dort aber sicher sein kann, von Spezialisten behandelt zu werden, dann halte ich das für eine gute Lösung.“ In jedem Falle müsse die Studie auch in der bereits eingesetzten Enquete-Kommission des Landtages thematisiert werden.

Weitere Infos:

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung ist unter folgendem Link zu finden: : https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/zukunftsfaehige-krankenhausversorgung/