Qualifizierte Leichenschau soll Tötungsdelikte und Behandlungsfehler aufdecken

Es sind Erkenntnisse aus einer Reihe von Studien, die den rechtspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Dr. Marco Genthe, aufhorchen ließen. Jahr für Jahr werden in Deutschland bis zu 1000 Tötungsdelikte nicht erkannt. Durch Fehlbehandlungen sterben jedes Jahr bis zu 58.000 Menschen. „Tötungsdelikte werden sich nie gänzlich verhindern lassen. Aber das Ziel muss sein, diese Taten zu erschweren und die Täter so schnell wie möglich zu überführen“, begründet Genthe den Vorstoß seiner Fraktion nach einer qualifizierten Leichenschau. Der Alltag zeige, dass Todesfeststellungen und Leichenschau viel zu oft von Ärzten übernommen werde, die damit wenig Routine haben.

„Der Fall Niels Högel zeigt deutlich, dass es dringend notwendig ist, verbindliche Regelungen für eine qualifizierte Leichenschau aufzustellen“, so Genthe. Es war diese Mordserie, die den Landtag dazu bewegte, einen Sonderausschuss zur Stärkung der Patientensicherheit einzusetzen. Dessen Abschlussbericht ist eindeutig und formuliert klare Empfehlungen, die von der Landesregierung nur bedingt aufgenommen wurden. Mit einer Änderung des Bestattungsgesetzes ist nur ein sehr kleiner Teil der Forderungen erfüllt. „Die anderen sind stehen geblieben. Wir wollen weitergehen“, stellt Genthe klar.


„Nicht nur der Fall Niels Högel hat gezeigt, dass wir Experten für die Feststellung der Todesursachse benötigen.“
(Dr. Marco Genthe, rechtspolitischer Sprecher der Fraktion der Freien Demokraten im Landtag Niedersachsen)


Vergangene Woche hat die Fraktion der Freien Demokraten daher einen entsprechenden Entschließungsantrag in den Landtag eingebracht. Dieser setzt darauf, künftig Todesfeststellung und Leichenschau voneinander zu trennen und durch ein Vier-Augen-System zu ersetzen. Jeder Tote soll innerhalb von 24 Stunden zusätzlich von einem Rechtsmediziner oder einem dafür weitergebildeten Klinikarzt untersucht werden, um unklare Todesursachen und Tötungsdelikte besser aufklären zu können. Für Genthe und seine Fraktion ist ein Pilotprojekt aus Delmenhorst dabei vorbildlich. Dort werden die Ärzte des neu geschaffenen Leichenschaudienstes speziell geschult. Sie sollen zum einen den Leichnam untersuchen und zum anderen eine Plausibilitätsprüfung der Umstände des Sterbefalls vornehmen. Nur so kann eine qualifizierte Leichenschau gewährleistet werden.

„Die Aufklärung der Todesursache sollte höchste Priorität haben. Jeder Hinterbliebene muss ein Recht haben, zu erfahren, woran sein Angehöriger verstorben ist“, sagt Genthe. Die Leichenschau soll auch helfen, folgenschwere Behandlungsfehler zu erkennen und zu einer genaueren wissenschaftlichen Analyse der Todesursachen und ihrer Hintergründe zu kommen. Die qualifizierte Leichenschau verbessert somit auch die Todesursachenforschung und führt zu einer Qualitätsverbesserung in der medizinischen Versorgung.

Die qualifizierte Leichenschau soll schrittweise eingeführt werden, und zwar zunächst in den Krankenhäusern und Altenheimen. Gerade in diesen Einrichtungen befinden sich überwiegend hilflose, schwache und kranke alte Menschen, die ein leichtes Opfer werden können.


Rede von Dr. Marco Genthe im Landtag Niedersachsen

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