SCHNELLER IMPFEN IN NIEDERSACHSEN

Spritze

Die Impfzentren in Niedersachsen wurden aktuell durch das Sozialministerium aufgefordert, Ihre Kapazitäten auf die angekündigte maximale Leistungsfähigkeit von 120.000 Impfungen pro Woche hochzufahren. Nur über die Impfzentren würde es allerdings mehrere Jahre dauern, alle Niedersachsen zu impfen. Es bedarf daher dringend einer Strategie, wie die Menschen in Niedersachsen auf Grundlage der Corona-Impfverordnung deutlich schneller geimpft werden können. Niedersachsen muss sich auf eine schnelle Steigerung der Impfmöglichkeiten vorbereiten, wenn der Impfstoff hoffentlich in naher Zukunft in größerer Menge zur Verfügung steht. Insbesondere wenn die Personengruppen der Impfprioritäten 3 und 4 zur Impfung anstehen, wäre es hilfreich, mit allen in Frage kommenden Impfdurchführenden ein schon eingeübtes Verfahren zur Impfung erarbeitet und durchgeführt zu haben - wir halten es für dringend erforderlich, jetzt damit zu beginnen, die Strukturen dafür aufzubauen.

Dazu sind folgende Schritte notwendig:

ERFASSEN DER ANZAHL DER ZU IMPFENDEN MENSCHEN

Wichtige Voraussetzung ist das Erfassen der Anzahl von zu impfenden Menschen in den einzelnen Gruppen. Daten zu den Personen mit Vorerkrankungen, die ein größeres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, müssen erfasst werden. Hierzu könnten sowohl Daten der Krankenkassen beitragen als auch das bei den niedergelassenen Haus- und Fachärzten vorhandene Wissen über ihre Patienten. Genauso ist es jetzt angezeigt, einen Überblick über die Anzahl der Personen zu gewinnen, die von Berufs wegen in den Gruppen 2 und 3 (§§ 3 und 4 der CoronaImpfV) zu impfen sind.

PRIORISIERUNG

Aufgrund der Größe und vielfältigen Zusammensetzung der Impfgruppen der Bundes-Impfverordnung ist eine Priorisierung innerhalb der Gruppen dringend notwendig. Sofern eine Abstimmung im Bund dazu notwendig ist, ist diese anzustreben. Es ist eine breite Diskussion und die gesetzliche Regelung der genauen Priorisierung durch das Parlament angezeigt, um eine Akzeptanz in der Bevölkerung zur erreichen. Im Sinne einer zügigen Impfung in Niedersachsen reicht es nicht, auf den Bund zu warten und zu hoffen, dass hier eine solche Priorisierung erarbeitet wird. Stattdessen sollte das Land unter Beteiligung des Landtags eine eigene Priorisierung erarbeiten. Eine Priorisierung, die sich aus einer Risikoeinstufung ergibt, kann sich aus mehreren Bestandteilen zusammensetzten, da Personen über mehrere relevante Vorerkrankungen verfügen können, aber eventuell einer zusätzlichen beruflichen Exposition ausgesetzt sind. Dies muss berücksichtigt werden.

IMPFKAPAZITÄTEN ERFASSEN UND STEIGERN

Es ist außerdem notwendig, alle durchführenden Stellen für Impfungen zu erfragen und deren Impfbereitschaft und Leistungsfähigkeit zu erfassen. Hierzu zählen neben den Impfzentren vor allem die niedergelassenen Ärzte, aber auch Unternehmen mit Betriebsarzt oder solche, bei denen mit mobilen Impfteams geimpft werden kann. Nur durch die Einbeziehung und Unterstützung aller vorhandenen Kapazitäten lässt sich die Menge der Impfungen deutlich steigern. Praxen müssen in der ImpfVO des Bundes als Durchführende der Impfung ergänzt werden. Außerdem sollten sie bei Bedarf Unterstützung beim Kontaktieren von Patienten erhalten. Die Patientendaten aus den Desease Management Programmen könnten Anhaltspunkte bieten oder die Daten der Krankenkassen genutzt werden, um Patienten zur Impfung einzuladen. Für Unternehmen müssen in Zusammenarbeit mit Wirtschafts- und Berufsverbänden Ablaufempfehlungen für die Organisation der Impfungen erarbeitet werden.

INFORMATION

Es bedarf der Erstellung einer funktionierenden Strategie, wie die Information, wer wann zu impfen ist, in die Bevölkerung gelangt und wer diese Gruppen im Einzelnen ansprechen kann (bestimmte Berufsgruppen beispielsweise über die Arbeitgeber, chronisch erkrankte Patienten über die Haus- oder Facharztpraxen mit Unterstützung der Kassen z.B.). Darüber hinaus schlagen wir vor, in die Corona-Warn-App einen Link zum Aufklärungsblatt zur Impfung einzubauen oder eine Verknüpfung mit bestehenden Telemedizin-Apps herzustellen, um Aufklärungsbogen und Einverständniserklärung im Vorfeld der Impfung zu optimieren. Sinnvoll ist auch die Integration eines Links zum Portal des Paul-Ehrlich-Instituts, in dem auch seltene Nebenwirkungen der Impfung gemeldet und erfasst werden. Um mehr Menschen vom Nutzen der Corona-Warn-App zu überzeugen und die Nutzung komfortabler zu gestalten, sollte die Bundesregierung mit den großen Telekommunikationsanbietern mobiler Daten verhandeln, ob diese die Nutzung der App durch die Freischaltung eines zusätzlichen Datenvolumens unterstützen würden.

ZENTRALES IMPFREGISTER

Um den Überblick zu behalten, wer bereits geimpft ist und wie weit die Impfung in den einzelnen Gruppen fortgeschritten ist, bedarf es eines zentralen Registers mit einem einfachen, bedienungsfreundlichen Tool zur Eingabe, an das die Impfenden täglich die notwendigen Daten mit möglichst geringen Aufwand (digital) übermitteln können.