Schulen und Kitas pandemiefest machen - Verunsicherung beenden

SchuleCorona

Die ersten Wochen der Coronapandemie haben gezeigt, dass erneute landesweite Schulschließungen nur die allerletzte Antwort auf die pandemische Entwicklung sein können. Der Staat muss seine Hausaufgaben machen und Schülern und Lehrern einen sicheren Schulbetrieb auch in schweren Zeiten ermöglichen. Die Wochen der Schulschließungen haben gezeigt, dass viele Kinder zu Bildungsverlierern geworden und insbesondere die Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen abgehängt worden sind. Erneute Schulschließungen würden Eltern zudem vor große Betreuungsprobleme stellen. Wir Freie Demokraten setzen uns für passgenaue und schnelle Lösungen ein. Priorität haben dabei Bildung und Gesundheit, Teilhabe und Chancengerechtigkeit.

Wir setzen auf

  1. die Minimierung der Ansteckungsgefahr in Schulen und frühkindlichen Bildungseinrichtungen,
  2. eine gezielte und schnelle Digitalisierung des Lernens und Lehrens,
  3. die Sicherstellung der Qualität von Bildung in Niedersachsens Kitas und Schulen auch unter Pandemiebedingungen,
  4. einen sicheren Kita- oder Schulbesuch von Kindern und Personal.

Mit unseren bisherigen Anträgen und Forderungen haben wir immer wieder schnelles Handeln der Landesregierung eingefordert – oftmals leider umsonst. Dabei ist die Landesregierung in der Pflicht, die Verunsicherung bei Schülern, Eltern und Personal zu beenden und die kommenden Monate nicht zu weiteren verlorenen Monaten werden zu lassen. Bildung braucht Priorität, keinen Winterschlaf. Für uns steht fest: Das Recht auf Bildung muss mit einer staatlichen Verpflichtung zur Betreuung und Beschulung von Kindern und Jugendlichen einhergehen. Jeder einzelne Tag, an dem Kinder frühkindliche und schulische Bildung genießen, vermehrt ihre Zukunftschancen. Und: Kinder brauchen Kinder, Jugendliche ihre Peergroup. Das soziale Miteinander in dieser Lebensphase bildet eine der wichtigsten Lernumgebungen. Besonders weil die Pandemie uns auch noch in das kommende Jahr begleiten wird, brauchen wir Sicherheit für die Familien. Schulunterricht und Kitabesuch müsse so lange, wie es unter gesundheitsrelevanten Gesichtspunkten vertretbar ist, möglich gemacht werden.

„FENSTER AUF“ IST ZU WENIG – LUFTFILTER FÜR KITAS UND SCHULEN

Nachdem in den ersten Wochen der Pandemie viele Schulträger mit zusätzlichen Waschbecken und Desinfektionsmitteln das Risiko einer Übertragung durch „Weitergabe“ der Viren minimiert haben, rückte relativ schnell die Übertragung des Virus durch Aerosole in der Raumluft in den Fokus. Insbesondere in voll besetzten Klassenzimmern und Kindertagesstätten ist das ein Problem. Die Antwort der Landesregierung heißt bisher „Fenster auf“. Aus unserer Sicht ist das deutlich zu wenig. Nicht nur, dass es unterschiedliche Aussagen über die Wirksamkeit des Lüftens gibt, führt es in der Praxis zu Problemen. Nicht überall lassen sich alle Fenster weit für das Stoßlüften öffnen. Wir wollen ein Förderprogramm für bauliche Maßnahmen zur besseren Lüftung von Schulen, die Anschaffung von CO2-Ampeln und die Anschaffung von Luftfilteranlagen. Insbesondere Luftfilteranlagen, die die Raumluft mehrmals in einer Stunde mit einem Wirkungsgrad von mindestens 99,95 Prozent reinigen, bieten großen zusätzlichen Schutz für Schüler und Lehrkräfte.

ZENTRALE DIGITALISIERUNG DER LERNINHALTE - DAS NIEDERSACHSEN-KOLLEGIUM

Um einen möglichst einfachen Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht zu ermöglichen wollen wir, dass kurzfristig die Lerninhalte zentral und qualitativ hochwertig digital aufbereitet allen Schülern und Lehrkräften zur Verfügung gestellt werden. Für den Unterricht selbst bleibt die Lehrkraft vor Ort verantwortlich, kann aber auf diese zentrale Aufbereitung der Inhalte ebenso zurückgreifen wie die Schüler zum individuellen Lernen. Das erfordert ein neues Zusammenarbeiten der Lehrkräfte landesweit. Dies soll – koordiniert durch das Ministerium – in einem "Niedersachsen-Kollegium" ermöglicht werden. Es ist nicht notwendig, dass digitale Angebote von jeder Lehrkraft selbst erstellt werden müssen. Auf einer zentralen Plattform sollen Best-Practice-Angebote allen Lehrkräften und Schülern in Niedersachsen zur Verfügung stehen.

MASKEN IM UNTERRICHT

Besonders Kinder und Jugendliche zeigen täglich ein hohes Verantwortungsbewusstsein und eine Orientierung am Wohlergehen der Menschen ihres Umfeldes. Sie sind rational in der Lage, den Zusammenhang zwischen dem Schutz der Mitmenschen und dem Tragen einer Maske herzustellen und orientieren sich an dem, was die Erwachsenen in ihrem Umfeld ihnen vorleben. Darum ist für uns ab der Jahrgangsstufe 5 das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes auch während des Unterrichts vorstellbar. Für uns gilt: Lieber Maske tragen, als Unterrichtsausfall tolerieren. Noch besser wäre es allerdings, Luftreinigungsanlagen in den Schulen nachzurüsten. Das Mindeste wäre allerdings, dass der Dienstherr seine Beschäftigten mit FFP2-Masken schützt. Insbesondere da Lehrkräfte diejenigen sind, die Kohorten wechseln und damit Bindeglied von Infektionsketten sein können.
Wir fordern zudem eine schnelle Klarheit für das Schreiben von langen Klassenarbeiten und Klausuren, wie den aktuell anstehenden Vorabi-Klausuren. Hier müssen die Räume und Sitzplätze so hergerichtet sein, dass die Klausuren ohne Maske geschrieben werden können.

TESTSTRATEGIE FÜR SCHULEN – SCHÜLER UND LEHRER SCHÜTZEN, INFEKTIONSKETTEN UNTERBRECHEN

Alle Bestrebungen der Landesregierung müssen das Ziel haben, die Infektionsgefahr für die niedersächsischen Schüler, Schulleitungen, Lehrkräfte, Erzieher und pädagogischen Mitarbeiter trotz zu erteilenden Unterrichts und Kita-Angebots so gering wie möglich zu halten und ihre Gesundheit zu schützen. Im Schul- und Kitaalltag ist es nicht möglich, die AHA- Regeln durchgängig anzuwenden. Darum muss diese Gruppe besonderen Schutz erfahren. Die anlasslosen Testungen der Lehrkräfte aus dem Herbst waren ein erster Schritt, um den Pädagogen eine Sicherheit zu bieten, der jedoch eingestellt worden ist. Wir wollen mit dem Einsatz von Schnelltests den Kindern und Beschäftigten in Kita und Schule Klarheit und Sicherheit im Falle einer Infektionsgefahr geben. Lehrkräfte sollen die Möglichkeit erhalten, sich regelmäßig mit Schnelltests auf eine Infektion testen zu lassen. Sobald es in der Schule oder Kita zu einem positiven Befund kommt, muss das gesamte Umfeld kurzfristig mit Schnelltests geprüft werden, um eine Quarantäne bzw. Zeit des Distanzlernens so kurz wie möglich zu halten. Aus unserer Sicht ist es fahrlässig, dass in der Schule nur noch Sitznachbarn als Kontaktpersonen gewertet werden, diese nur noch bei Symptomen getestet werden und dann auch nicht offiziell in Quarantäne geschickt werden, sondern ins „Distanzlernen“. Das führt zu zusätzlichen Betreuungsproblemen bei den Eltern und schafft wenig Sicherheit für die gesamte Kohorte.

SICHERE SCHULWEGE

Um das Infektionsrisiko in Bussen und Bahnen zu verringern, wollen wir mehr Verkehrsmittel einsetzen. Zwar herrscht in den Bussen zur Schülerbeförderung Maskenpflicht, der notwendige Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Schülern ist aber ohne den Einsatz zusätzlicher Busse schon zum jetzigen Zeitpunkt nicht einzuhalten. Mit fortschreitendem Herbst und im kommenden Winter ist zu erwarten, dass mehr Schüler die öffentlichen Verkehrsmittel und Schulbusse in Anspruch nehmen werden. Die Landesregierung ist hier in der Pflicht, die Träger der Schülerbeförderung mit einer weiteren Erhöhung der Mittel zur Schülerbeförderung zu unterstützen. Der Einsatz von Reisebussen in den Stoßzeiten zusätzlich zu den bisherigen Linien- und Schulbussen trägt zur Senkung des Infektionsrisikos für Schüler bei. Den durch die Corona-Pandemie stark belasteten Busreiseunternehmen kann so für die Dauer der Pandemie eine sichere und regelmäßige Einnahmequelle geboten werden. Zudem müssen Schulleiter in Rücksprache mit dem Schulvorstand die Möglichkeit erhalten, kurzfristig die Start- und Endzeiten des Unterrichts zu entzerren. Hier muss das Land den Schulen den Rücken stärken und die Träger der Schülerbeförderung müssen flexibel reagieren können.

SCHNELLES HANDELN AN SCHULEN ERMÖGLICHEN

Eine Ausnahmesituation wie Infektionsfälle an der Schule erfordert schnelles und passgenaues Reagieren vor Ort. Viele Schulleiter beklagen aktuelle mangelnde Informationen aus dem Kultusministerium und insbesondere aus den überlasteten örtlichen Gesundheitsämtern. Wir fordern daher, dass Schulleiter in Absprache mit dem Schulvorstand kurzfristig selbst Entscheidungen treffen können, die sie für die Gefahrenabwehr für erforderlich halten - beispielsweise eine Maskenpflicht ab Schuljahr 5 im Unterricht unter einem Inzidenzwert von 50 oder den Wechsel ab einem Inzidenzwert von 50 in Szenario B auch ohne angeordnete Infektionsschutzmaßnahmen des örtlichen Gesundheitsamtes oder den Wechsel in Szenario C ab einem Inzidenzwert von über 150 unter Sicherstellung der Voraussetzungen für Distanzlernen. Auch kurzfristiges Distanzlernen für Klassen, Jahrgänge oder die gesamte Schule zur Klärung von Infektionsfällen soll möglich gemacht werden.

ALTERNATIVE LERNRÄUME SCHAFFEN - DIGITALE ENDGERÄTE FÜR SOZIAL SCHWÄCHERE

Die Zeit der Schulschließungen, aber auch die ersten Wechsel in die Szenarien B und C haben gezeigt, dass viele Schüler kein gutes Umfeld für das Distanzlernen zu Hause vorfinden. Bereits im Rahmen der Schulschließungen im März haben wir daher angeregt, alternative Lernräume zu schaffen. Diese alternativen Lernräume können in den Schulen selbst (z.B. Schulbücherei, Mensa, Turnhalle) eingerichtet werden oder aber in geschlossenen öffentlichen Einrichtungen. Wichtig ist, dass die Schüler die Chance haben, mit einer guten Datenanbindung am Distanzlernen teilzunehmen, in der Zeit eine Betreuungskraft vor Ort ist und sie konzentriert arbeiten können. Dazu gehört aber auch die Anerkennung von digitalen Endgeräten als Lernmittel, damit Schüler aus sozial benachteiligten Familien auch tatsächlich teilhaben können.

MEHR SICHERHEIT BEIM FAMILIENBESUCH AN WEIHNACHTEN

Wir wollen landesweit Distanzlernen am 21.12. und 22.12.2020 ermöglichen. Durch diese Maßnahme verlängert sich die Abwesenheit aus der Schule vor Weihnachten auf 5 Tage. Damit wird die Gefahr gesenkt, mit einer unerkannten Infektion bei den Kindern die Großeltern an Weihnachten zu besuchen. Jede Minimierung des Risikos kann für die ganze Familie mehr Sicherheit schaffen.

KINDER BRAUCHEN BEWEGUNG

Bewegung ist für Kinder ein wichtiger Bestandteil im Tagesablauf und notwendig für eine gesunde Entwicklung. Gerade in Zeiten, in denen der Breitensport auch im Jugendbereich stark eingeschränkt ist, muss wenigstens versucht werden, den Sportunterricht weiter zu ermöglichen. Soweit es geht, soll dieser Unterricht im Freien stattfinden. Wir haben großes Vertrauen in die Sportlehrkräfte, Bewegungsangebote im Freien und mit ausreichend Abstand für die Schüler zu entwickeln und anzubieten.

JETZT SCHON AN DEN SOMMER DENKEN

Wir wollen für die Abiturienten und Abschlussklassen des Schuljahres 2020/2021 auf freiwilliger Basis in den Osterferien Unterricht anbieten, damit dieser Jahrgang nicht als Corona-Verlierer in die Berufswelt starten muss. Außerdem fordern wir die Landesregierung auf, Mittel bereitzustellen, damit Schulen im Schulgebäude Arbeitsplätze/Lernorte für den digitalen Unterricht einrichten und eine Plattform schaffen können, auf der besonders empfehlenswerte digitale Lernangebote für alle Schüler und Lehrkräfte nutzbar werden. Die Kitas und Krippen im Land brauchen Geld für Personalaufstockungen, um der Pandemie begegnen zu können.

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