Spät oder gar nicht - Maßnahmen gegen Corona in Schulen und Kitas

Klassenraum und Schüler mit Maske

Im März 2020 schlossen die Schulen von einem auf den anderen Tag und standen ohne Plan da. Die jahrelang verschlafene Digitalisierung der Bildungspolitik zeigte sich in fehlender Infrastruktur für den digitalen Unterricht, fehlenden pädagogischen Konzepten und mangelnder Unterstützung für die Lehrkräfte und Schulleitungen. Nach Wochen des Stillstands schafften es Niedersachsens Schüler dank viel Engagement und Kreativität der Lehrer vor Ort mit Müh und Not bis in die Sommerferien.

Trotz lautstarker Forderungen, die Schulen in der freien Zeit pandemiefest zu machen und auf die Wintermonate vorzubereiten, unternahm Minister Tonne wenig. Vor Weihnachten stiegen schließlich die Infektionszahlen und im Bildungsministerium fiel man aus allen Wolken. Panisch wurden Niedersachsens Schüler Mitte Dezember nach Hause geschickt und kämpfen seitdem mit unausgereiften Systemen zum Distanzlernen. Der wichtige Kontakt zu Gleichaltrigen ist so fern wie eine verlässliche Perspektive für das restliche Schuljahr.

  • Digitale Unterrichtskonzepte und -materialien sind weiterhin Glückssache und werden nicht zentral organisiert. Die Bildungscloud liefert immer noch nicht die erhoffe Vereinfachung für alle und jede Lehrkraft muss ihren Unterricht im Alleingang digitalisieren.
  • Weder die Sommer- noch die Herbstferien wurden genutzt, um die Schulen baulich coronafest zu machen. Immer noch gibt es Klassenzimmer, deren Fenster sich nicht öffnen lassen. Das Land versucht noch nicht einmal, technische Lösungen wie Luftfilter zu testen.
  • Auch im Winter bleibt das Anti-Corona-Konzept des Ministers: Alle 20 Minuten das Fenster öffnen. Wer friert, zieht eben einen Pullover mehr an.   
  • Viele Eltern hatten von heute auf morgen ihren Job und ihre Kinder im Wohnzimmer und am Küchentisch. Daran hat sich auch ein Jahr nach den ersten Corona-Infektionen in Deutschland nichts geändert. Eine Notbetreuung gibt es nur für bestimmte Berufsgruppen.

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Wir wollen: Gute Bildung, sichere Schulen und Kitas

Der Bildungsminister sitzt aus und entscheidet später. Die FDP-Fraktion setzt auf Lösungen. Wir wollen, dass Niedersachsens Schüler nicht zu Corona-Verlierern werden. Das planlose, improvisierte Lernen zu Hause führte vor allem dazu, dass einige Schüler ohne die dringend benötigte Unterstützung alleingelassen werden. Sie verfügen oft nicht über die notwendigen digitalen Endgeräte und finden zu Hause selten ein geeignetes Lernumfeld vor. Deshalb müssen Schulen so ausgestattet werden, dass das Lernen in ihren Räumen sicher ist. Auch für das Lernen zu Hause brauchen wir in Niedersachsen endlich Konzepte und die entsprechende Ausstattung. Dazu gehören für uns:

  • Primat der Bildung. Neben dem hohen Gut des Gesundheitsschutzes müssen die psychosozialen Auswirkungen für Schüler mehr beachtet werden. Wir wollen die Bildungschancen nicht der Pandemie opfern. Schulen und Kitas dürfen nur geschlossen werden, wenn alle anderen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ausgeschöpft sind.
  • Gute Luft in Klassenzimmern. Wir wollen Raumluftreiniger und coronafeste Belüftungsanlagen statt Frieren und Zittern am Platz. Diese Investitionen sorgen auch nach dem Ende der Pandemie für bessere Luftqualität und steigern den Gesundheitsschutz unabhängig von Corona.
  • Sichere Schulwege. Um das Infektionsrisiko in Bussen und Bahnen zu verringern, wollen wir mehr Verkehrsmittel einsetzen.  
  • Digitale Schule. Lehrer nutzen derzeit vor allem private Geräte ohne eine Entschädigung durch das Land. Anstatt jetzt fast 100.000 Dienstlaptops anzuschaffen schlagen wir vor, die Lehrer mit 30 Euro pro Monat für die Nutzung der Privatgeräte zu entschädigen. Keine Ausschreibung, keine Vielzahl von Geräten zu Hause, kein Kopieren von Daten und Anwendungen von einem Rechner auf den anderen und trotzdem in drei Jahren über 1.000 Euro als Nutzungsentschädigung.
  • Testen, testen, testen. Damit sich das Virus nicht in Schulen und Kitas ausbreitet: Eine landesweite Teststrategie sowie gestellte FFP2 Masken für Lehrer und Erzieher.
  • Endlich ein Plan. Bis zu den Osterferien wollen wir die Schulen stufenweise ins Wechselmodell führen. Danach brauchen wir klare, inzidenzbasierte Regeln für einen sicheren Unterricht. Diese sollen von den Schulen selbst nach Bedarf angewendet werden.
  • Aufholen in den Ferien. Schüler haben nach dem Lockdown viel Stoff nachzuholen. Gerade die Abschlussklassen dürfen nicht abgehängt werden. Wir fordern freiwillige Ferienlernangebote, beispielsweise durch Studierende und Referendare

Stand: 20.11.2020