Sylvia Bruns: Fall Lügde zeigt Mängel in den Abläufen des Jugendamts Hameln-Pyrmont auf

In der heutigen Unterrichtung im Sozialausschuss des Landtags ist klar geworden, dass Missbrauchsfälle durch konsequentes Handeln des Landkreises Hameln-Pyrmont hätten verhindert werden können. “Bereits die Sorgerechtsübertragung auf den Täter war zweifelhaft, allein aufgrund der damals offensichtlichen Lebensverhältnisse und -umstände auf dem Campingplatz”, so die sozialpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion Sylvia Bruns. Erstaunt zeigt sie sich über die Haltung des Landrats Bartels, ein entsprechendes Verfahren sei vermutlich sowieso nicht zu gewinnen gewesen. “Wer so eine Haltung vorlebt zeigt, dass das Kindeswohl nicht bis zum Gericht verteidigt wird, sondern vorher schon aufgegeben wird.”

Für die Landespolitik gelte es jetzt zu prüfen, ob die Landkreise und kreisfreien Städte mehr Unterstützung bei der Ausstattung ihrer Jugendämter benötigen. “Wir werden prüfen, ob eine Revisionsprüfung auf Landesebene der richtige Weg sein kann, um auch kreisübergreifende Hinweise bündeln zu können, damit Missbrauchsfälle schneller aufgeklärt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden“, kündigt Bruns an.

Klarstellend weist Sylvia Bruns daraufhin, dass es heute nicht um die Ablenkung vom Täter gehe. Dieser und alle Mittäter müssten bestraft werden. “Aber es geht um die Frage der Verantwortung, der im Landkreis Hameln-Pyrmont nicht genügend nachgekommen ist. Und an der Spitze dieses Organisationsverschuldens steht der Landrat. Es ist seine Entscheidung, persönliche Konsequenzen daraus zu ziehen. Ich wüsste, wie ich mich im Hinblick auf mein Amt zu verhalten hätte“, so Sylvia Bruns abschließend.

Hintergrund: Im Sozialausschuss berichtete am Donnerstag der Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont über die Missbrauchsvorfälle auf dem Campingplatz Lügde.