Untätig im Sommer. Hektisch im Herbst. Ein schlecht vorbereitetes Gesundheitswesen

Masken

Die Pandemie beherrscht Niedersachsen seit März. Zeit genug, um sich inzwischen auf die neue Situation eingestellt zu haben. Gerade den recht ruhigen Sommer hätte die Landesregierung gut zur Vorbereitung auf den Herbst nutzen können. Denn es ist logisch: Wird es draußen nass und kalt, sind die Menschen mehr in Innenräumen und stecken sich schneller an. Die Vorbereitungen hielten sich trotzdem in Grenzen: 

  • Zu spät. Den Öffentlichen Gesundheitsdienst hätte die Landesregierung spätestens im Sommer auf die Zweite Welle im Herbst vorbereiten müssen. Personal aus anderen Behörden wurde aber erst im Herbst abgeordnet - als die Gesundheitsämter in einigen Kreisen schon Überlastung meldeten. Auch die Einrichtung mobiler Nachverfolgungsteams zur Unterstützung in den Kommunen dauerte vier Monate. 
  • Zu langsam. Schnelle Informationen sind die Grundlage für eine eine schnelle Reaktion. Nur ist der Datenaustausch zwischen den Kommunen und dem Landesgesundheitsamt das genaue Gegenteil. Für eine Erneuerung des Systems wurde der Sommer leider nicht genutzt. Deshalb entsteht in Hannover jetzt nur langsam ein Lagebild.   
  • Nicht schnell genug. Schnelltests bringen schnelle Ergebnisse. Pflegeeinrichtungen können zwar inzwischen Schnelltests anschaffen, bekommen aber nur Fixkosten für Material und einen Teil der Personalkosten erstattet. Testen darf auch nicht jeder. Dabei wären die meisten von uns nach einer entsprechenden Einweisung in der Lage, einen Schnelltest problemlos zu nehmen. Mit einer breiten Anwendung ließe sich so sehr schnell ein guter Überblick über die Infektionslage gewinnen.  
  • Außerdem zu wenig. Inzwischen wird so viel getestet, dass die genutzten Labore an ihre Kapazitätsgrenzen kommen. Es gäbe zwar weitere geeignete Labore, auf diese verzichtet die Landesregierung aber lieber. 

Jetzt handeln mit Weitblick.

Es ist spät, aber noch nicht zu spät. Wir wollen nicht den gesamten Herbst und Winter im Lockdown verbringen, Dafür brauchen wir Ideen, um uns und unser Gesundheitssystem vor Corona zu schützen. Wir müssen endlich wissen, was gegen Ansteckungen hilft und diese Maßnahmen konsequent umsetzen. Und zwar so: 

  • Mehr Tests. Tests sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Pandemiebekämpfung. Deshalb wollen wir regelmäßige Schnelltests für besonders gefährdete Personen - also ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen. Auch für Berufsgruppen mit viel Kontakt zu anderen Menschen, wie Pflegekräfte und Lehrer, wollen wir Schnelltests stellen. Unterstützung gibt es mit angelerntem Hilfspersonal für die Tests und digitale Tools. Schließlich sollen die Kapazitäten von Pflegekräften für andere wichtige Aufgaben frei bleiben. 
  • Mehr Analyse. Labore stehen still, während andere nicht hinterherkommen? Wir wollen, dass Tests von allen geeigneten Laboren ausgewertet werden können. Denn auch tierärztliche Labore können PCR-Tests analysieren. 
  • Mehr Wissen. Wir wollen zielgenau handeln und müssen deshalb wissen, wo sich Menschen auf welchem Weg anstecken. Wir brauchen Forschung, um Schutzkonzepte zu entwickeln, die aufzeigen, wie wir uns im Restaurant, am Arbeitsplatz, aber auch auf Veranstaltungen effektiv schützen können. 
  • Mehr App. Geht es nach uns, soll die Corona-Warn-App zukünftig nicht nur das individuelle Risiko anzeigen, sondern auch mit dem Gesundheitsamt kommunizieren und Infektionsketten schneller alarmieren. Selbstverständlich muss es möglich sein, datenschutzrelevante Funktionen auszustellen.   
  • Mehr Nachverfolgung. Die Gesundheitsämter kommen nicht mehr hinterher. Gleichzeitig warten Mitarbeiter von Bars, Restaurants, Reisebüros usw. in Kurzarbeit auf einen Neustart. Die Landesregierung soll Freiwilligen einen Weg eröffnen, sich für die Nachverfolgung zu melden und den Einsatz der Helferinnen und Helfer koordinieren.  

 

Stand: 27.11.2020