Wissenschaft küsst Wirtschaft

Kuss

Die Herausforderungen des Klimawandels, der Pandemie sowie der ökonomischen und gesellschaftlichen Transformationsprozesse können nur mit der Wissenschaft bewältigt werden. Daher muss die Hochschul- und Wissenschaftspolitik im ersten Schritt als originäre Landesaufgabe in das Scheinwerferlicht der Landespolitik gerückt werden. Im zweiten Schritt müssen die wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnisse besser und schneller in der Praxis, also in der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Politik ankommen.

Kleine und mittelständische Unternehmen können durch eine koordinierte Zusammenarbeit mit Hochschulen noch stärker zu regionalen Innovationstreibern werden. Gleichzeitig können Hochschulen mehr Erkenntnisse in die Anwendung bringen. Dem Land kommt dabei eine Mittlerfunktion zu. Es muss neue Innovationsfelder unter Berücksichtigung bestehender regionaler Stärken erschließen und gleichzeitig einen größeren Beitrag für die Beantwortung überregionaler Problemlagen leisten. Niedersachsen benötigt Exzellenz an der Spitze der Hochschul- und Forschungslandschaft und gleichzeitig Garanten für die Fachkräftesicherung in der Fläche.

Wir meinen: Es braucht eine stärkere Wissenschaftsorientierung in der Wirtschaft und eine stärkere Wirtschaftsorientierung in der Wissenschaft. 

Die Freien Demokraten wollen sich folgenden konkreten 7 Punkten widmen:

1.Ausbau des dualen Studiums

Status Quo: Niedersachsen liegt beim Anteil der dual Studierenden nur im bundesdeutschen Mittelfeld. Sie machen in Niedersachsen lediglich 3,4 % der Studierenden aus.

Unsere Position: Das duale Studium darf angesichts des Fachkräftemangels, fehlender Regionalbindung in der Fläche und einer geringeren Anwahl der dualen Berufsausbildung nicht länger ein Nischenformat bleiben. Wir möchten das duale Studium in Niedersachsen ausbauen. Hierfür streben wir eine Anschubfinanzierung in besonders nachgefragten Studienprofilen an. Auch für den Bereich der Gesundheit und Pflege könnte ein verstärktes Angebot dem immer größer werdenden Bedarf an Fachkräften entgegenwirken.

2. Stärkung der Berufsakademien und privaten Hochschulen

Status Quo: In keinem anderen Bundesland sind die regulatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen für Berufsakademien so schlecht wie in Niedersachsen.

Unsere Position: Berufsakademien sind ein Motor der Fachkräftebildung und der Fachkräftebindung in der Fläche. Daher wollen wir sie stärken. Wir streben eine Weiterentwicklung des Niedersächsischen Berufsakademiegesetzes an, denn als einziges Bundesland schließt Niedersachsen bislang eine finanzielle Förderung von Berufsakademien aus. Das wollen wir ändern und weitere regulatorische Wettbewerbsnachteile abbauen. So soll etwa Berufsakademien, die sich besonderen Qualitätsstandards stellen, der Zugang zum professoralen Bereich für entsprechend qualifizierte Dozentinnen und Dozenten eröffnet werden. Ferner wollen wir privaten Hochschulen besseren Zugang zu Förderprogrammen des Landes ermöglichen, beispielsweise im Bereich der Digitalisierung oder beim Wissens- und Technologietransfer.

 

3. Gründerzeit an Hochschulen

Status Quo: Im Niedersächsischen Hochschulgesetz gibt es kein Gründungssemester und der Transfer von den Hochschulen in die Wirtschaft leidet unter der Unterfinanzierung von Studium und Lehre.

Unsere Position: Wir wollen die Grundfinanzierung der Hochschulen erhöhen und die Third Mission der Hochschulen finanziell besser ausstatten. Wir wollen überdies die Einrichtung von University Hubs forcieren und das Ökosystem für Start-ups und Spin-offs an den Hochschulen verbessern. Die University Hubs sollen vernetzt im Land arbeiten und Zugang zu einem neuen landeseigenen Venture-Capital-Fonds haben, sodass Hochschulen die Möglichkeit direkter Beteiligung gegeben wird. Neben flexiblen Gründungssemestern wollen wir Gründungszonen und studentische Gründungsgesellschaften ermöglichen und Entrepreneurship Education forcieren. Auch klassische Wege zur Existenzgründung, wie beispielsweise Gründungsprämien und Gründungsstipendien, wollen wir ausbauen.

 

4. Weiterbildung an Hochschulen

Status Quo: Mit ihrer Vielzahl an Lehrveranstaltungen können Hochschulen einen größeren Beitrag im Bereich der Weiterbildung leisten. Während große Unternehmen eigene Weiterbildungseinrichtungen, wie die Fakultät 73 von Volkswagen, vorhalten, schnürt der Staat kaum Weiterbildungsangebote für und in Zusammenarbeit mit kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Unsere Position: Wir wollen die Hochschulen dabei unterstützen, noch stärker auf dem Weiterbildungsmarkt zu agieren und ihre Bildungsexpertise einzubringen. Für Berufstätige ohne akademischen Abschluss soll ein besserer Zugang, etwa über ein Zertifikatsystem, ermöglicht werden. Zudem unterstützen wir einen Ausbau der Alumni-Kultur, einen besseren Zugang zur Hochschulinfrastruktur für Externe und eine Ausweitung der Teilzeit- und Fernstudienangebote. Auch soll eine Plattform zur Erfassung aller Weiterbildungsangebote der Hochschulen in Niedersachsen erstellt werden.

 

5.Deutsche Agentur für Transfer und Innovation (DATI)

Status Quo: Im Flächenland Niedersachsen finden sich nur partiell strukturierte Innovationsökosysteme, die die Innovationstreiber der unterschiedlichen Regionenzusammenbringen.

Unsere Position: Wir unterstützen die Einrichtung der Deutschen Agentur für Transfer und Innovation auf Bundesebene, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Zusammenarbeit bei Forschungsprojekten zwischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und kleinen und mittleren Universitäten mit Unternehmen und Start-ups zu fördern. Vor allem KMU verfügen selten über eine eigene Forschungsinfrastruktur oder Labore. Zugleich können regionale Unternehmen wichtige Impulse in Richtung anwendungsorientierter Hochschulen geben. Mit DATI wollen wir diese Potentiale stärker nutzen.

 

6. Forschung und Wirtschaft

Status Quo: Öffentliche Ausgaben für Forschung und Innovation verfügen kurz- und langfristig sowie konjunkturunabhängig über eine hohe Rendite für eingesetztes Steuergeld. Privates Kapital und Expertise könnten diesen Effekt noch stärker hebeln.

Unsere Position: Wir wollen Wirtschaft und Forschung besser vernetzen. Die Attraktivität von Investitionen in Forschung und Entwicklung muss gesteigert werden. Die Forschungszulage muss entbürokratisiert und mehr KMU zugänglich gemacht werden. Wir wollen überdies, dass die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Niedersachsen weiterhin wissenschaftlich begleitet wird und mehr Mittel für den ökonomischen Forschungsbereich bereitstellen. Durch die intelligente Förderung von einzelnen Forschungsprojekten wollen wir strategisch wichtige Forschungsschwerpunkte stärken und beispielsweise mehr Lehrstühle in den Bereichen künstliche Intelligenz und Robotik ermöglichen. Außeruniversitären Forschungseinrichtungen müssen es einfacher haben, Patente zu verwerten, mit Unternehmen zu kooperieren oder eigene Unternehmen zu gründen. Hochschulen werden wir bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Open-Science-Strategien unterstützen und die Entstehung eines landesweiten Forschungsdatenrepositoriums als Kooperationsprojekt der niedersächsischen Hochschulen fördern.

 

7.Fachkräfteinitiative: Kurswechsel strukturieren

 Status Quo: Einmal eingetretene Karrierepfade zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind nicht durchlässig genug. Die Gesetzgebung legt nicht die gleiche Flexibilität wie heutige Erwerbsbiografien an den Tag.

Unsere Position: Praxisbezüge im Studium und Kooperationen mit kleinen und mittelständischen Unternehmen müssen stärker gefördert und die Absolvierung von Pflichtpraktika flexibilisiert werden. Im akademischen Mittelbau brauchen wir eine strukturierte cross-sektorale Personalentwicklung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher sollen eine detaillierte Aufstellung ihrer im Studium erbrachten Leistungen erhalten, um sich damit leichter für praktische Berufe und eine berufliche Ausbildung bewerben zu können. Diese Leistungen müssen bei Studienfachwechseln und in der beruflichen Ausbildung stärker anerkannt werden, sodass bei einer Entscheidungsrevision kein kompletter Neustart erforderlich ist. Hierzu wollen wir auch die Kooperationen zwischen Hochschulen, Handwerk, Kammern und Industrie ausbauen. 

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